Die Autobranche hat kein Innovationsproblem
Ja, der deutschen Autobranche geht‘s nicht gut. Seit 2019 sind rund 111.000 Stellen weggefallen. Erstmals importiert die EU mehr Autos und Autoteile aus China, als sie dorthin exportiert. Und sechs der zehn innovationsstärksten Premiummarken der Welt kommen inzwischen aus China.
Das sind die Schlagzeilen, die zurzeit hängenbleiben. Sie erzählen nur meiner Meinung nach nicht die ganze Geschichte. Ich beobachte diesen Markt seit jeher – und seit einigen Jahren auch professionell, zuletzt bei Dolby und Cinemo. Und ich erinnere mich an wenige Phasen, in denen so viel gleichzeitig in Bewegung war wie gerade jetzt.
Hier kommen deshalb zehn positive Entwicklungen des Jahres 2026, die ich für mehr als erwähnenswert halte:

1. Im Juni waren reine Elektroautos erstmals die stärkste Antriebsart bei den Neuzulassungen in Deutschland – plus 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
2. Über 200.000 öffentliche Ladepunkte, rund 8,5 Gigawatt Ladeleistung. Die EU-Vorgaben der AFIR erfüllt Deutschland nicht knapp – es übererfüllt sie.
3. Bamberg testet Ladepunkte, die unsichtbar im Bordstein verbaut sind. Und im UNESCO-Welterbe eine Ladesäule aus fränkischem Granit.
4. Über 50.000 iX3-Bestellungen allein in Europa im ersten Quartal. In Debrecen lief nach neun Monaten bereits das 50.000ste Fahrzeug vom Band.
5. Der ID. Polo startet eine Modellfamilie um 25.000 Euro. Und 800-Volt-Architekturen laden inzwischen mit bis zu 400 kW.
6. Mercedes will bis Jahresende in ersten deutschen Städten Punkt-zu-Punkt-Fahren anbieten, ab 2027 bundesweit.
7. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat Momenta Ende Juli die bundesweite Genehmigung für Level-4-Testfahrten erteilt. Gemeinsam mit Uber startet der Betrieb in München.
8. „Edgar“ von der TU München absolvierte im Juni in Berlin die erste Prüfungsfahrt unter Level-4-Bedingungen in Deutschland – begleitet von drei TÜV-Prüferteams.
9. Bosch bringt mit der AI Extension Platform generative KI ins Fahrzeug, nachrüstbar ohne Hardwaretausch. KI als Bedienlogik, nicht als Etikett.
10. Über 40 Hersteller und mehr als 150 Modelle setzen inzwischen auf Dolby Atmos, einige auch schon auf Dolby Vision. Was jahrzehntelang das Wohnzimmer definiert hat, definiert jetzt den Innenraum.
Mein Fazit:
Diese Branche hat kein Innovationsproblem. Sie hat ein Erzählproblem.
Schlechte Nachrichten transportieren sich von selbst. Gute Nachrichten brauchen Übersetzung. Von der Ingenieursleistung zur Relevanz, vom Datenblatt zur Geschichte, vom Feature zum Gefühl.
Welche Entwicklung fehlt in dieser Liste? Ich bin gespannt auf eure Ergänzungen.
Die Quellen zu den einzelnen Punkten:
Einstieg: EY-Analysen zur deutschen Industrie (Feb. 2026) und zum Automobilstandort Deutschland (März 2026); AutomotiveINNOVATIONS-Studie 2026 des Center of Automotive Management
1: Kraftfahrt-Bundesamt, Neuzulassungen Juni 2026
2: Bundesnetzagentur, Ladesäulenregister Mai 2026; BDEW-Elektromobilitätsmonitor 2026
3: Stadtwerke Bamberg
4: BMW Group
5: Volkswagen AG; BMW Group
6: Mercedes-Benz Group
7: Kraftfahrt-Bundesamt; Unternehmensangaben Uber und Momenta
8: TÜV-Verband, Juni 2026
9: Robert Bosch GmbH, CES 2026
10: Dolby Laboratories




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